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Die zahlreichen Gäste verfolgten im Landshuter Salzstadel
einen erkenntnisreichen und reich bebilderten Vortrag.


Dr. Lutz Martin während seines Vortrages.


NFB-Vorsitzender Norbert Hoffmann freute sich bei der
Begrüßung über das große Interesse.


Dr. Martin referierte über Leben und Werk Max von
Oppenheims und aktuelle Erkenntnisse vom Tell Halaf.


Die Gäste folgten interessiert den Ausführungen Dr. Martins
Hier ruht in Gott ein Mann
Max von Oppenheim und der Orient

Vortrag von Dr. Lutz Martin
16. Dezember 2014, Landshut

Auf Einladung des Nahost Forum Bayern e.V. (NFB) referierte am vergangenen Dienstag Dr. Lutz Martin, der stellvertretende Direktor des Vorderasiatischen Museums Berlin über Leben und Werk des Archäologen und Orientreisenden Max von Oppenheim der 1946 in Landshut verstarb und auf dem städtischen Hauptfriedhof begraben liegt.

„Hier ruht in Gott ein Mann, der die Wissenschaft, den Orient, die Wüste und den von ihm entdeckten und ausgegrabenen Tell Halaf geliebt hat“.
Diese Inschrift steht auf dem wohl auffälligsten Grabstein des Landshuter Hauptfriedhofes. Begraben liegt an dieser Stelle Max Freiherr von Oppenheim, der 1860 in Köln geboren wurde. Der Vorsitzende des NFB, Norbert Hoffmann, konnte mehr als 120 Besucher im Landshuter Salzstadel begrüßen und freute sich über das rege Interesse an diesem zu Unrecht etwas in Vergessenheit geratenen Landshuter. Das Nahost Forum Bayern hatte, unterstützt vom Verein ArLan e.V., den ausgewiesenen Experten zu Leben und Werk Oppenheims, Dr. Martin als Referenten des Abends gewinnen können.

Dr. Martin erläuterte, dass Max von Oppenheim 1896 in die Dienste des Auswärtigen Amtes eintrat.
Als Attaché war er mit der systematischen Beobachtung der muslimischen Welt betraut und bereiste von seinem Dienstsitz in Kairo weite Teile des Orients, aber auch der USA und Nordafrikas. 1899 wurde Oppenheim in Syrien von einem Beduinenstammesoberhaupt auf furchterregende Steinfiguren hingewiesen, auf die sein Stamm beim Ausheben einer Grabgrube gestoßen war.
Oppenheim erkannte am Fundort sofort, dass es sich um einen antiken Siedlungshügel, den sogenannten Tell Halaf handelt.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Auswärtigen Amtes begann Oppenheim 1910 mit privat finanzierten Ausgrabungen auf dem Tell Halaf. Dort gelang es ihm die Reste einer Residenz des 10. und 9. Jh. v. Chr. freizulegen. Von 1911 bis 1913 entdeckte er in der Residenzanlage etwa 900 monumentale Steinfiguren.
Die Entdeckung dieser Bildwerke war zur damaligen Zeit eine Sensation, übertraf sie doch die Funde der damals wichtigsten Ausgrabungsstätten des vorderen Orients von Babylon und Assur in ihrer künstlerischen Gestaltung bei weitem.

Wegen des Krieges konnten die Grabungen 1914 nicht fortgesetzt werden und erst 1927 gelang es Oppenheim, die Funde nach Deutschland zu verschiffen. Dort wurden sie in Berlin- Charlottenburg in einem eigens errichteten Museum präsentiert. Im Zweiten Weltkrieg traf eine Phosphorbombe das Museum, das mit allen 900 Steindenkmälern und sonstigen Ausstellungstücken ausbrannte.
Das Löschwasser der anrückenden Feuerwehr kühlte die extrem erhitzten Basaltstatuen schlagartig ab und die 2000 Jahre alten Monumente zerbarsten in tausende Einzelteile. Noch während des Krieges wurden die Trümmer auf Geheiß Oppenheims in den Keller des Vorderasiatischen Museums Berlin gebracht. Nach Ende des Krieges kam Oppenheim nach Landshut und wohnte dort, bis zu seinem Tod 1946 in der Altstadt 94/95. Bis zuletzt war er davon überzeugt, dass die Bildwerke des Tell Halaf wieder erstehen würden.

Ab 1996 begann ein Forschungsprojekt unter Leitung von Dr. Martin, gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und einen Nachfahren Oppenheims mit der Restaurierung der Steindenkmäler aus den 27.000 Einzelstücken. Diese Arbeiten zogen sich bis 2009 hin. Am Ende konnten bis auf 2.000 Steine alle Bruchstücke zugeordnet werden und 2011 wurden die wiedererstandenen Statuen des Tell Halaf erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

2006 begannen, ebenfalls unter der Leitung von Dr. Martin, Nachgrabungen am Tell Halaf, in deren Rahmen neben der von Oppenheim entdeckten Siedlung auch eine ältere Belegungsphase des Tells im 6. Jahrtausend vor Christus nachgewiesen werden konnte. Vermutlich war der Platz seit diesem Zeitpunkt, mit Unterbrechungen, besiedelt. Erst im 4. Jh. v. Chr. endete die Besiedlung des Tells.
Die aktuellen Grabungen brachten zwar keine Monumente mehr zu Tage, doch konnten einige Reliefs geborgen werden. Aufgrund der politischen Lage ruhen die Arbeiten seit 2011.

Am Ende des Abends wurden auf Bitte des Referenten, Spenden für eine humanitäre Hilfsaktion in Syrien gesammelt, die ein Kollege von Dr. Martin betreut.